Kulturelle Bildung - Hyperkulturell.de https://www.hyperkulturell.de Menschen, Kulturen, Vielfalt Fri, 09 Mar 2018 14:08:00 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.3 https://www.hyperkulturell.de/wp-content/uploads/2017/12/hk_h.png Kulturelle Bildung - Hyperkulturell.de https://www.hyperkulturell.de 32 32 Vorurteile verstehen und erkennen – Weiterbildung in Mainz https://www.hyperkulturell.de/vorurteile-verstehen-und-erkennen-weiterbildung-in-mainz/ https://www.hyperkulturell.de/vorurteile-verstehen-und-erkennen-weiterbildung-in-mainz/#respond Thu, 08 Mar 2018 13:37:45 +0000 https://www.hyperkulturell.de/?p=3686 Das ZWW Mainz bietet folgende Weiterbildung an: „Mal unterschwellig, mal offen – Vorurteile sind ein allgegenwärtiges soziales Phänomen, die nur schwer reduziert oder gar bekämpft werden […]

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Das ZWW Mainz bietet folgende Weiterbildung an: „Mal unterschwellig, mal offen – Vorurteile sind ein allgegenwärtiges soziales Phänomen, die nur schwer reduziert oder gar bekämpft werden können. Die Lösung zahlreicher gesellschaftlicher Herausforderungen, darunter insbesondere die Integration von Zugewanderten, wird durch die Vorurteilsproblematik erschwert.

Ziel des Seminars ist es Vorurteile aus der psychologischen Perspektive und auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse zu beleuchten: sie zu verstehen, zu erkennen und damit angemessen umzugehen.

In diesem Zusammenhang werden u. a. folgende Inhalte thematisiert: Unterscheidung zwischen Vorurteilen und Erfahrungen; Entstehung, (Schutz-)funktion und Manifestierung von Vorurteilen; Empfänglichkeit für Vorurteile; Hilfsbereitschaft mit Vorurteilen – ein paradoxes Phänomen; Bedingungen für den Abbau von Vorurteilen. Anknüpfend an die Erfahrungen der Teilnehmenden wird über die Effektivität von gängigen Praktiken diskutiert, z.B. Aufklärung, Argumentation und persönliche Kontakte.

Ergänzend zu der theoretischen Erörterung der Vorurteilsproblematik wird ein Methodenworkshop (16.05.2018) angeboten, der bei entsprechenden theoretischen Vorkenntnissen unabhängig von dieser Veranstaltung gebucht werden kann.“

Anmeldung: https://zww-seminarshop.de/index.php?main_page=product_info&cPath=1010016&products_id=1220180088

Leitung: Dr. Eszter Monigl
Max. Teilnehmer: 20
Gebühren: 130,00 EUR
Termin: 20.03.2018
Anmeldeschluss: 09.03.2018
Zeitraum: 20.03.2018 / 09:30-16:30
Seminarnummer: 20180088

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Stereotype sind janusköpfig https://www.hyperkulturell.de/stereotype-sind-januskoepfig/ https://www.hyperkulturell.de/stereotype-sind-januskoepfig/#respond Wed, 07 Mar 2018 16:42:57 +0000 https://www.hyperkulturell.de/?p=3654 Stereotype und Vorurteile sind allgegenwärtig. Aber: Was bedeuten die beiden Begriffe eigentlich genau? Walter Lippmann hat mit seinem Buch Public Opinion 1922 den Begriff Stereotyp erstmals […]

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Stereotype und Vorurteile sind allgegenwärtig. Aber: Was bedeuten die beiden Begriffe eigentlich genau?

Walter Lippmann hat mit seinem Buch Public Opinion 1922 den Begriff Stereotyp erstmals verwendet, um soziale Strukturen der Gesellschaft darzustellen (vgl. Gardner 1994: 1-5). Lippmann charakterisierte Stereotype als „pictures in our heads“ (Lippmann 1922: 98). Im alltäglichen Sprachgebrauch werden die Begriffe Stereotyp und Vorurteil häufig synonym verwendet, obwohl sie voneinander abzugrenzen sind.

Vage Vorstellungen

Stereotype sind vage Vorstellungen davon, wie Menschen sind (Spanier sind leidenschaftlich, Deutsche humorlos, Amerikaner egozentrisch). Sie lassen sich als generalisierte Überzeugungen, als Bilder in unseren Köpfen zu bestimmten Personengruppen verstehen. Vorurteile hingegen sind stärker im Urteil (z.B.: Alle Muslime sind Terroristen.). Sie haben eine Handlungsdimension. Unreflektierte Stereotype können in konkreten Lebenssituationen zu Vorurteilen werden, d.h. zu tatsächlichem Verhalten bzw. Handeln führen. Vorurteile sind auch stärker emotional aufgeladen.

Gesellschaftlich konstruiert

Stereotype sind das Resultat historisch-politischer, geografischer und sozialer Entwicklungen (vgl. Friesenhahn) – sie sind gesellschaftlich konstruiert. Statisch sind sie insofern, als eine erstaunliche  Beharrlichkeit gegenüber neuen Informationen festzustellen ist: Stereotype sind sehr weit verbreitet und halten sich z.T. über Jahrhunderte (vgl. alte sog. Völkertafeln aus dem 17. Jhdt.).

Janusköpfig

Es gibt eine weitere Besonderheit: Stereotype und vorverurteilende Vorstellungen sind janusköpfig.  Was bedeutet das? Es handelt sich um eine Metapher. Janus war ein römischer Gott. Er ist doppelgesichtig und ein Symbol für Zwiespältigkeit. Stereotype erfüllen sinnvolle Funktionen, haben aber auch Schattenseiten – sie sind also janusköpfig. Alexander Thomas nennt sechs Funktionen von Stereotypen und Vorurteilen: Orientierungsfunktion, Anpassungsfunktion, Abwehrfunktion, Selbstdarstellungsfunktion, Abgrenzungs- und Identitätsfunktion sowie Steuerungs- und Rechtfertigungsfunktion (vgl. Thomas 2006: S. 4-7).

3 sinnvolle Funktionen

Funktionalistisch reduziert  kann man von drei Funktionen sprechen, die die Janusköpfigkeit charakterisieren. Zunächst zu den 3 sinnvollen Funktionen: Stereotype und Vorurteile vereinfachen und reduzieren Komplexität. Sie helfen uns somit bei der Orientierung in einer nahezu unüberschaubaren Welt.  Auf diese Weise erfüllen sie eine wichtige kognitive Funktion. Mit stereotypen Vorstellungen und Vorurteilen grenzen wir uns von anderen ab. Wir stärken das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb der eigenen Gruppe. „Wir sind so, und die sind anders!“ Stereotype und Vorurteile haben also auch eine soziale Funktion. Viele Stereotype und Vorurteile geben uns das Gefühl, anderen überlegen zu sein. Dies scheint auf den ersten Blick nicht gerade sympathisch, ist psychologisch betrachtet aber von Vorteil: Wir fühlen uns in unserm Selbstbewusstsein gestärkt. Damit erfüllen Stereotype eine wichtige affektive Funktion.

3 Schattenseiten

Jede der soeben genannten sinnvollen Funktionen hat aber auch eine Schattenseite. Der große Nachteil von Vereinfachungen: Wichtige Details und Besonderheiten bleiben unberücksichtigt. Die bunte Vielfalt auch innerhalb einer Kultur kommt zu kurz. Wir scheren alle über einen Kamm. Ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb einer Gruppe ist wichtig. Kann aber auch dazu führen, dass andere ausgeschlossen werden. Weil unsere stereotypen Vorstellungen sagen, dass ein Mensch nicht zu uns ‚passt‘. Selbstbewusstsein ist wichtig. Und natürlich wollen wir uns alle gut fühlen. Aber müssen wir uns deshalb gegenseitig abwerten? Und wohin führt das? Die Grenzen zwischen Überlegenheit und Überheblichkeit sind fließend. Stereotype sind janusköpfig.

Mit diesem Wissen können wir unsere stereotypen Vorstellungen und Vorurteile kritisch prüfen, wenn wir anderen Menschen begegnen.

 

Literatur

Friesenhahn, Günter: Stereotypen und Vorurteile. In: Modul „Interkulturelles Lernen“ auf dem Portal der Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V. IJAB : https://www.dija.de/fileadmin/medien/downloads/Dokumente/Guenter2IKL.pdf (16.11.2017)

Ganter, Stephan 1997: Stereotype und Vorurteile: Konzeptualisierung, Operationalisierung und Messung. Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung, Mannheim.

Gardner, R. C. 1994: Stereotypes as Consensual Beliefs. In: Mark P. Zanna und James M. Olson (Hg.): The Psychology of Prejudice (The Ontario Symposium on Personality and Social Psychology; 7.) Hillsdale, NJ: Lawrence Erlbaum, S. 1-5.

Lippmann, Walter 1992: Public Opinion. New York: Harcourt Brace.

Quasthoff, Uta 1998: Ein Beitrag zur Dynamisierung der Stereotypenforschung. In: Heinemann, Margot (Hg.): Sprachliche und soziale Stereotype (= Forum angewandte Linguistik), Peter Lang Verlag, Frankfurt/M. S. 47-72.

Thomas,  Alexander 2006: Die Bedeutung von Vorurteil und Stereotyp im interkulturellen Handeln. In: Interculture Journal. Bd. 5, Nr. 2.

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