YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die DatenschutzerklÀrung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

 

BlackfacingBlackfacing meint das Schminken eines weißen Menschen mit schwarzer Farbe, um ihm den Anschein zu geben, eine andere Hautfarbe zu haben. Diese Praktik ist deutschlandweit verbreitet und wird beispielsweise in Theaterinszenierungen, KarnevalsumzĂŒgen oder Sternsingergruppen angewendet. Neben der optischen VerĂ€nderung hat Blackfacing auch eine politische Dimension, die in den letzten Jahren fĂŒr intensive Diskurse gesorgt hat (vgl. Voss 2014, 103).

Koloniale Tradition
„Blackfacing / Blackface ist eine Theater- und Unterhaltungsmaskerade, die ihren Ursprung in den USA des 19. Jahrhunderts hat, aber zu Beginn europĂ€ischer Kolonialherrschaft auch in Europa aufgegriffen wurde.“ (Khabo Koepsell 2015, 48) In sogenannten ‚Minstrel Shows‘ schminkten sich weiße Schauspieler*innen mit schwarzer Farbe oder Kohle und „portraitierten dabei rassistische Stereotype der Schwarzen Bevölkerung. [
] Schwarze Hautfarbe stand in der Tradition des Blackfacings immer fĂŒr PrimitivitĂ€t und geistige BeschrĂ€nktheit.“ (Khabo Koepsell 2015, 48) GegenwĂ€rtiges Blackfacing bedient sich also rassistischen Traditionen und reproduziert diese.

Blackfacing ist eng mit dem Kolonialismus verbunden. WĂ€hrend der Zeit des europĂ€ischen Kolonialismus wurde die schwarze Bevölkerung oft als minderwertig und exotisch dargestellt. Blackfacing reproduziert und verstĂ€rkt diese kolonialen MachtverhĂ€ltnisse. Der europĂ€ische Kolonialismus hatte fĂŒr diese erhebliche Probleme zur Folge. ZunĂ€chst einmal fĂŒhrte die Territorialaufteilung Afrikas durch die europĂ€ischen MĂ€chte zu einer willkĂŒrlichen und oft gewaltsamen Teilung des Kontinents. Die Grenzziehungen ignorierten hĂ€ufig bestehende ethnische, kulturelle und politische Strukturen und zwangen verschiedene Volksgruppen in willkĂŒrlich zusammengewĂŒrfelten Kolonialgrenzen zu leben. Dies fĂŒhrte zu Konflikten und Spannungen innerhalb der afrikanischen LĂ€nder, die auch nach der UnabhĂ€ngigkeit fortbestanden.

Des Weiteren hatten die KolonialmĂ€chte eine direkte Kontrolle ĂŒber die Ressourcen der Kolonien und die ArbeitskrĂ€fte, was zu Ausbeutung und UnterdrĂŒckung fĂŒhrte. Die schwarze Bevölkerung wurde oft gezwungen, unter extremen Bedingungen in Plantagen, Minen und anderen ArbeitsstĂ€tten zu arbeiten, um die Interessen der KolonialmĂ€chte zu bedienen. Dies fĂŒhrte zur Ausbeutung der Ressourcen Afrikas und hatte negative Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung der betroffenen LĂ€nder.

ZusĂ€tzlich fĂŒhrte der europĂ€ische Kolonialismus zu einer UnterdrĂŒckung der kulturellen IdentitĂ€t und der kollektiven Erinnerung der schwarzen Bevölkerung. Viele afrikanische Sprachen und Traditionen wurden unterdrĂŒckt oder sogar verboten, wĂ€hrend gleichzeitig europĂ€ische Kultur und IdentitĂ€t gefördert wurden. Dies fĂŒhrte zu einem Verlust von kultureller Vielfalt und zu IdentitĂ€tskrisen innerhalb der schwarzen Bevölkerung.

Schließlich fĂŒhrte der europĂ€ische Kolonialismus zu einer betrĂ€chtlichen politischen InstabilitĂ€t in vielen afrikanischen LĂ€ndern. Die neuen Kolonialgrenzen fĂŒhrten oft dazu, dass verschiedene Volksgruppen innerhalb derselben politischen Einheit leben mussten, was zu Konflikten und Spannungen fĂŒhrte. Nach der UnabhĂ€ngigkeit wurden viele afrikanische LĂ€nder von innenpolitischen Konflikten, ethnischen und religiösen Spannungen sowie Diktaturen geplagt, die auf die willkĂŒrliche koloniale Grenzziehung zurĂŒckzufĂŒhren sind.

Blackfacing in Deutschland
In den letzten Jahren wurden kulturelle Ereignisse in Deutschland, bei denen Blackfacing verwendet wurde, Ă€ußerst kritisch diskutiert. Ein Beispiel fĂŒr Blackfacing in Deutschland ist der Fall des Comedians Jan Böhmermann im Jahr 2011. In einer Fernsehsendung trat er in einer Sketch-Comedy-Show als afrikanischer StammeshĂ€uptling auf und trug dabei schwarze Gesichtsfarbe. Diese Darstellung wurde von vielen Menschen als rassistisch und beleidigend empfunden, da sie rassistische Stereotypen ĂŒber Menschen mit dunkler Hautfarbe bediente. Auch die Theaterinszenierung Ich bin nicht Rappaport des Berliner Schlosspark Theaters am 5. Januar 2012 oder die ZDF-Sendung Wetten, dass..? im Dezember 2013, bei der sich BĂŒrger*innen aus Augsburg als Jim Knopf und Lukas der LokomotivfĂŒhrer verkleideten, sind Beispiele fĂŒr Blackfacing innerhalb Deutschlands.  Auch wenn Blackfacing in Deutschland nicht direkt in der Tradition zu den amerikanischen Minstrel Shows steht und die Intention der Verantwortlichen fĂŒr die oben genannten Beispiele nicht als rassistisch einzuschĂ€tzen ist, basiert Blackfacing auf Stereotypen und rassistischen Vorstellungen, die durch die koloniale Vergangenheit geprĂ€gt sind.

Rassismus ist unabhÀngig von der Intention
People of Color* (bspw. Aktivist*innen der Vereinigung BĂŒhnenwatsch) kritisieren „die Definitionsmacht weißer Personen ĂŒber Rassismus“ (Ganz 2012, 127) und weisen darauf hin, dass Rassismus oftmals strukturell bedingt ist und unabhĂ€ngig von der Intention verĂŒbt werden kann. Hylton beobachte beispielsweise, dass sich Menschen im Publikum bei Tennisspielen von Serena Williams blackfacen, und stellte fest: „Some argue that face painting at motor racing, and other sport and leisure events is good natured and fun for all. For these people, blackfacing falls into the category of harmless and innocuous fun. However, another reading of it is that no performance of blackface can be neutral in terms of its impact on Black and mioritised ethnic communities. It is undeniable that Black and minoritised communities are sensitive, and therefore vulnerable, to the performance of blackface.” (Hylton 2018, 11)

*Der Terminus „People of Color“ (POC) ist eine Sammelbezeichnung fĂŒr Menschen, die nicht weiß sind und oft gemeinsame Erfahrungen oder Ă€hnliche soziale, politische und wirtschaftliche Herausforderungen aufgrund ihrer Rassenzugehörigkeit teilen. Der Begriff dient dazu, die Vielfalt von nicht-weißen Gruppen hervorzuheben und eine Kategorie zu schaffen, um Gemeinsamkeiten und gemeinsame Anliegen zu erkennen und anzuerkennen.

POC wurde als alternativer Begriff zu „nicht-weiß“ oder „Minderheit“ entwickelt, da diese Bezeichnungen oft als problematisch angesehen werden. Der Begriff betont die breite Palette von Hautfarben und ethnischen IdentitĂ€ten, die nicht der weißen Mehrheit entsprechen, und erkennt an, dass es vielfĂ€ltige Erfahrungen innerhalb der Gruppe gibt.

POC umfasst eine Vielzahl von Bevölkerungsgruppen, darunter Schwarze Menschen, Indigene Völker, Lateinamerikaner*innen, Asiat*innen, Menschen mit Nahost-Hintergrund und Menschen mit gemischten ethnischen HintergrĂŒnden. Es ist wichtig zu beachten, dass POC eine politische und soziale Konstruktion ist, die sich je nach Kontext und geografischer Region unterscheiden kann. Die spezifischen Auswirkungen von Rassismus und Diskriminierung können je nach Rassenerfahrung variieren, und POC können unterschiedlichen Formen der UnterdrĂŒckung ausgesetzt sein.

Der Begriff „People of Color“ wird in verschiedenen sozialen und politischen Kontexten verwendet, um auf die gemeinsamen Herausforderungen und Erfahrungen von Nicht-Weißen aufmerksam zu machen. Menschen, die sich als POC identifizieren, können sich gegenseitig unterstĂŒtzen und ihre Stimme gemeinsam erheben, um gegen strukturellen Rassismus, Diskriminierung und Ungleichheiten zu kĂ€mpfen. Der Begriff POC zielt darauf ab, die Aufmerksamkeit auf rassistische Systeme und die Notwendigkeit sozialer Gerechtigkeit zu lenken.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass POC ein Überbegriff ist, der Vielfalt und individuelle Erfahrungen innerhalb dieser Gruppen nicht vollstĂ€ndig reprĂ€sentiert. Es gibt zahlreiche Diskussionen und Debatten ĂŒber den Begriff, da er manchmal als zu allgemein betrachtet wird und möglicherweise bestimmte Unterschiede und Ungerechtigkeiten innerhalb der Gruppe vernachlĂ€ssigt. Letztlich ist die Verwendung des Begriffs „People of Color“ kontextabhĂ€ngig und spiegelt die gelebte Erfahrung und die gemeinsamen KĂ€mpfe von nicht-weißen Menschen wider.

 

Teste Dein Wissen zu Blackfacing – hier geht’s zum LĂŒckentext.

 

Hier geht es zum Überblick aller Lexikonartikel


 

Literatur

Ganz, Katharina (2012): Die Artikulation von Differenz – Gesellschaftstheorie als Subjekttheorie, Subjekttheorie als Gesellschaftstheorie. In: Dzudzek, Iris/ Kunze, Caren/ Wullweber, Joscha (Hrsg.): Diskurs und Hegemonie. Gesellschaftskritische Perspektiven. Bielefeld: Transcript.

Hylton, Kevin (2018): CONTESTING ‚RACE‘ AND SPORT. Shaming the Colour Line. New York: Routledge.

Khabo Koepsell, Philipp (2015). Erste Indaba Schwarzer Kulturschaffender in Deutschland. Protokolle. Berlin: epubli.

Voss, Hanna (2014): Reflexion von ethischer IdentitÀt(szuweisung) im deutschen Gegenwartstheater. Marburg: Tectum.

Blackfacing – Schreibung, Definition, Bedeutung, Beispiele | DWDS

 

Transkript zum ErklÀrfilm:

Blackfacing meint das Schminken eines weißen Menschen mit schwarzer Farbe, um ihm den Anschein einer anderen Hautfarbe zu geben. In den letzten Jahren wurden kulturelle Ereignisse wie zum Beispiel TheaterauffĂŒhrungen, bei denen Blackfacing verwendet wurde, zunehmend kritisch diskutiert. Viele People of Color lehnen die Definitionsmacht weißer Personen ĂŒber Rassismus ab und weisen darauf hin, dass Rassismus strukturell bedingt ist und unabhĂ€ngig von der Intention verĂŒbt werden kann. Auch wenn die Intention der Verantwortlichen nicht immer rassistisch ist, basiert Blackfacing auf Stereotypen und rassistischen Vorstellungen, die durch die koloniale Vergangenheit geprĂ€gt sind.

 

Eine wahre interkulturelle Begebenheit wird in dem Buch Intercultural stories: Menschliche Begegnungen aus aller Welt – lustig, lehrreich, lebensecht von Benjamin Haag geschildert:  

Bitte. Danke.

Ich habe einen Kumpel, der aus Kuba kommt und mit dem ich mich immer auf Spanisch unterhalte. Nach und nach fiel mir immer stĂ€rker auf, dass er nie die Worte „Bitte“ und „Danke“ verwendet. Als er mal wieder sagte: „Gib mal deinen Laptop“, teilte ich ihm meine Beobachtung mit und wies ihn darauf hin, dass es ziemlich unhöflich ist, etwas zu wollen, ohne „Bitte“ zu sagen. Anschließend erklĂ€rte er mir, das Verwenden von „Danke“ und „Bitte“ sei auf Kuba ein Zeichen von Distanz. Er aber habe ein solches Vertrauen zu mir, dass er es als unangebracht empfĂ€nde, „Bitte“ und „Danke“ zu verwenden. Diesen Umstand konnte ich mir von anderen Kubanern und Lateinamerikanern bestĂ€tigen lassen.

9. MĂ€rz 2020

Blackfacing

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die DatenschutzerklĂ€rung von YouTube.Mehr erfahren Video laden YouTube immer entsperren   Blackfacing meint das Schminken eines weißen Menschen mit [
]
9. MĂ€rz 2020

Critical Whiteness

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die DatenschutzerklĂ€rung von YouTube.Mehr erfahren Video laden YouTube immer entsperren   Der Begriff Critical Whiteness bezeichnet die differenzierte, reflektierte [
]
27. November 2017

Ethnopluralismus

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die DatenschutzerklÀrung von YouTube.Mehr erfahren Video laden YouTube immer entsperren Der Ethnopluralismus ist ein Theoriekonzept der sogenannten Neuen Rechten. [
]
27. November 2017

Rassismus

Die Etymologie des Wortes Rasse ist nicht eindeutig. Drei Möglichkeiten aus dem Lateinischen sind die Ableitungen des Wortes ratio „Natur, Wesen“, radix „Wurzel“ oder generatio „Zeugung“. Alle [
]
4. Dezember 2017

Xenophobie

Der Begriff Xenophobie stammt aus dem Griechischen und leitet sich von xĂ©nos „der Fremde“ sowie phĂłbos „die Furcht“ ab. Die Angst vor dem Fremden bezeichnet ablehnende [
]