YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die DatenschutzerklÀrung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

 

Die Heimat bildet „ein schillerndes, kulturelles PhĂ€nomen, das Bedeutungsschichten aus vielen Jahrhunderten transportiert“ (Kazal 2005, 61). Der Begriff ist aufgrund seiner Verwendung komplex konnotiert (vgl. KĂŒhne/ Schönwald 2015, 101–104). Er entwickelte sich aus dem althochdeutschen Wort heimuoti und steht als „Land, Landesteil oder Ort, in dem man [geboren und] aufgewachsen ist oder sich durch stĂ€ndigen Aufenthalt zu Hause fĂŒhlt“ (Duden online) fĂŒr die Relation zwischen Mensch und einem territorialen Gebiet bzw. den dort vorherrschenden Werten und Normen (vgl. KĂŒhne/ Schönwald 2015, 101–106).

Zur historischen Entwicklung des Begriffs

Bezogen auf den historischen Kontext hat sich fĂŒr KĂŒhne und Schönwald „Heimat, insbesondere im RĂŒckblick auf das 20. Jahrhundert, keinesfalls als harmloses Konzept erwiesen“ (KĂŒhne/ Schönwald 2015, 104). Lobensommer fĂŒhrt diesbezĂŒglich an, dass die Verwendung des Begriffs „zwischen 1945 und Mitte der Siebziger in der Unterhaltungsliteratur in erster Linie im Sinne einer nostalgischen Erinnerung, einer unerreichbaren Utopie erfolgte, die auf politische Konnotationen verzichtet habe“ (Lobensommer 2010, 75–76). Er verweist hierbei auf Autoren wie Siegfried Lenz und GĂŒnter Grass (vgl. Lobensommer 2010, 75–76).

Die bis 1959 sehr eng gefasste Definition von Heimat in Bezug auf einen lokalen Raum sowie die dort vorherrschenden Ansichten und Traditionen wurde durch die Umschreibung auch mehrerer Orte oder grĂ¶ĂŸerer Gebiete abgelöst (vgl. Lobensommer 2010, 75). Diese Entwicklung des Loslösens von einem stark eingrenzenden Heimatbegriff setzte sich stetig fort. Nach Pazarkaya wird im Jahr 1986 „Heimat in sich selbst […] [gefunden], wodurch es zu einer Verinnerlichung von Heimat, einer Subjektivierung kommt, die durch den Erwerb von Freunden, positiven GefĂŒhlen, stĂ€ndig neue Heimaten kreieren kann“ (Lobensommer 2010, 79).

Heimat in einer globalisierten Welt

In der heutigen Zeit erfĂ€hrt der Heimatbegriff im Kontext der sich immer stĂ€rker ausprĂ€genden Globalisierung und der damit einhergehenden „Dezentrierung der Lebenswelten vieler Menschen“ (KĂŒhne/ Schönwald 2015, 101–106) eine Renaissance hinsichtlich des Wunsches einer „RĂŒckverortung“ (KĂŒhne/ Schönwald 2015, 101–106) in eine vertraute Lebenswelt. Dabei findet der Ausdruck oftmals als Synonym fĂŒr eine „regionale IdentitĂ€t“ (KĂŒhne/ Schönwald 2015, 101–106) Verwendung. Diese spiegelt sich u. a. in der sozialen Dimension in Form von Familie und Freundeskreis mit einem „unhinterfragt akzeptierten Set an Rollen-, Wert- und Normvorstellungen“ (KĂŒhne/ Schönwald 2015, 101–106) wider, welches in vielen FĂ€llen zugleich die Dimension der Ab- und Ausgrenzung anderer Personen und/ oder Kulturen zur Folge hat.

Weitere Aspekte in diesem Zusammenhang bilden die Zeit („romantisierende RĂŒckbesinnung auf die eigene Vergangenheit“) (KĂŒhne/ Schönwald 2015, 101–106) sowie die Dimensionen des Ortes in Form der „Landschaft als Natur- und Kulturlandschaft“ (Schreiber 2012, 3) und der „Entkomplexisierung“ (KĂŒhne/ Schönwald 2015, 101–106).

Heimat und Migration

Vor dem Hintergrund der Migration bildet der Heimatbegriff Anlass fĂŒr eine kontrovers gefĂŒhrte (Heimat-)Debatte, da viele ‚einheimische‘ Menschen einen Kultur- und damit einen Machtverlust ihres Wertekorsetts befĂŒrchten (vgl. KĂŒhne/ Schönwald 2015, 101–106). Sie definieren die vermeintlich ‚richtige‘ Kultur und damit die Zugehörigkeit zur Gesellschaft ĂŒber „den ‚richtigen’ Dialekt, die ‚richtige’ ethnische Zugehörigkeit (dokumentiert durch die OrtsansĂ€ssigkeit der Vorfahren), HeterosexualitĂ€t, die ‚richtige’ Religion sowie die Praxis lokaler und regionaler Traditionen (nicht das kognitive Wissen darĂŒber!)“ (KĂŒhne/ Schönwald 2015, 101–106).

 

Literatur

Dudenredaktion (o. J.): „Heimat“ auf Duden online. https://www.duden.de/rechtschreibung/Heimat [25.06.2018].

Kazal, Irene (2005): „Sozialistische Heimat DDR“. Landschaft, Nation und Klasse in der Heimatdebatte der 50er Jahre. In: Kazal, I./ Voigt, A./ Weil, A./ Zutz, A. (Hrsg.): Kulturen der Landschaft. Ideen von Kulturlandschaft zwischen Tradition und Modernisierung. Berlin, 59–80.

KĂŒhne, Olaf/ Schönwald, Antje: IdentitĂ€t, Heimat sowie In- und Exklusion: Aspekte der sozialen Konstruktion von Eigenem und Fremdem als Herausforderung des Migrationszeitalters. https://www.econstor.eu/bitstream/10419/111036/1/ab_013_08.pdf [25.6.2018].

Lobensommer, Andrea (2010): Die Suche nach Heimat. Heimatkonzeptionsversuche in Prosatexten zwischen 1989 und 2001. MĂŒnchen: Diss. masch.

Schreiber, Wilfried E. (2012): Heimat verorten: Heimat aus der Sicht eines Geographen – In: Neue Didaktik 1, S. 1-6. https://www.pedocs.de/volltexte/2015/10068/pdf/NeueDidaktik_1_2012_Schreiber_Heimat_verorten.pdf [25.06.2018].

Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag
27. November 2017

Heimat

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die DatenschutzerklĂ€rung von YouTube.Mehr erfahren Video laden YouTube immer entsperren   Die Heimat bildet „ein schillerndes, kulturelles PhĂ€nomen, das [
]