Der Begriff Sexismus lässt sich vom Wort Sex ableiten, welches auch als Bezeichnung für das Geschlecht, den Sexus verwendet wird (vgl. Duden, Sex). Sexismus wird unterschiedlich wahrgenommen und definiert, wobei der Definition Begriffe wie Gender, Feminismus und Diskriminierung zugeordnet werden.

Definitionen

1. Die „Vorstellung, nach der ein Geschlecht dem anderen von Natur aus überlegen sei, und die [daher für gerechtfertigt gehaltene] Diskriminierung, Unterdrückung, Zurücksetzung, Benachteiligung von Menschen, besonders der Frauen, aufgrund ihres Geschlechts“ (Duden, Sexismus)

2. „Sexismus wird definiert als individuelle Einstellungen und Verhaltensweisen oder institutionelle und kulturelle Praktiken, die entweder eine negative Bewertung einer Person aufgrund ihres Geschlechts widerspiegeln oder den ungleichen Status zwischen Frauen und Männern in der Gesellschaft aufrechterhalten“ (Becker 2014)

Erscheinungsformen

Sexismus lässt sich in fünf Formen der Erscheinung unterteilen, von denen die meisten sowohl von Männern als auch von Frauen ausgeübt werden können. Darüber hinaus kann Sexismus in seinem Auftreten danach unterschieden werden, ob es sich um eine negative oder um eine positive Form des Sexismus handelt:

  1. Traditioneller offener Sexismus (Benokratis/ Feagin 1995) basiert auf drei Kriterien: »(a) stereotypkonforme Betonung von Geschlechterunterschieden, (b) Minderwertigkeit von Frauen (relativ zu Männern) und (c) Befürwortung herkömmlicher Geschlechterrollen« (Eckes 2010, 183)“ (Thiele).
  2. Neosexismus wird als Konflikt zwischen egalitären Werten (Frauen und Männer sollten gleich behandelt werden) und negativen Emotionen gegenüber Frauen definiert.“ (Becker 2014). Diese Form äußert sich in „1) Leugnung fortgesetzter Diskriminierung […] 2) Widerstand gegen vermeintliche Privilegien von Frauen […] und 3) Ablehnung von Forderungen nach Gleichbehandlung“ (Becker 2014).
  3. Der ambivalente Sexismus versteht Sexismus nicht als ausschließlich negativ, sondern benennt auch einige positive Aspekte. Der ambivalente Sexismus umfasst sowohl den hostilen (feindlichen) Sexismus als auch den benevolenten (wohlwollenden) Sexismus.
  4. Beim hostilen Sexismus wird die Ansicht vertreten, dass Männer einen höheren Status als Frauen haben sollten. Damit einher geht die Angst, Frauen würden mehr Macht und Kontrolle über Männer erlangen. Diese Form „richtet sich daher vor allem gegen nicht-traditionelle Frauentypen wie Feministinnen und Karrierefrauen.“ (Becker 2014)
  5. Der benevolente Sexismus bezieht sich im Verhältnis zwischen Männern und Frauen auf den Aspekt des Beschützens und der Ritterlichkeit. Demnach wolle der Mann der Frau beispielsweise bei Aufgaben helfen, die ihm leichter fallen könnten und begründet sein Handeln damit, dass die Frau sich nicht mit der Tätigkeit auseinandersetzen müsse (vgl. Becker 2014).

Sexismus heute

Viele Menschen nehmen Sexismus heute nicht mehr so stark wahr. Sie nehmen an, die Gleichberechtigung sei in unserer Gesellschaft bereits vollständig akzeptiert und umgesetzt. Bei der Betrachtung von Statistiken dazu (vgl. Tagesschau, Gender Pay Gap, 2019) wird deutlich, dass sich die Stellung der Frau in der Gesellschaft zwar verbessert hat, jedoch noch immer nicht mit der des Mannes gleichzusetzen ist. Das wird z. B. daran deutlich, dass Frauen in Führungspositionen weniger als Männer verdienen oder aber an der Verbreitung geschlechtlicher Stereotype durch Medien und Werbung.

„[D]iese Art objektivierender, hypersexualisierter und Frauen abwertender Werbung [birgt] auch eine große Gefahr. Denn die Abwertung und Entmenschlichung einer Bevölkerungsgruppe führt dazu, dass direkte Diskriminierung und physische Gewalt gegen diese tolerierbarer werden.“ (Domscheit-Berg 2015, 48)

Häufig wird angenommen, nur Frauen seien von Sexismus betroffen. Zu diesem Missverständnis trägt die Verbindung zum Feminismus bei. Tatsächlich sind mehr Frauen als Männer betroffen, allerdings nicht ausschließlich. In Werbungen und im Alltag betreffen sexistische Darstellungen oder Handlungen alle Geschlechter.

Kultureller Kontext

Sexismus ist eines der größten Gebiete, in denen sich die Länder und Kulturen unterscheiden. Das Bewusstsein hierfür hat viele verschiedene Ebenen. In Deutschland sind Feminismus und Gleichberechtigung schon lange ein Thema. Frauen können mittlerweile nahezu alle Rechte und Optionen zugesprochen werden, die auch Männer haben. Im Kontrast hierzu ist ein Blick auf Saudi-Arabien interessant: Dort dürfen Frauen erst seit 2017 Auto fahren und genießen nicht dieselben Privilegien wie Männer. Das Frauenbild entspricht einem für uns veralteten Rollenbild.

Arm, weiblich und indigen zu leben bedeutet in Mexiko, eine Person von wenig Relevanz zu sein, „obwohl in Artikel vier der mexikanischen Verfassung von Gleichheit vor dem Gesetz für alle in Mexiko Geborenen die Rede ist. Doch die ethnische Bevölkerung ist vor dem Gesetz keineswegs gleich, ebenso wenig sind es die Geschlechter und die sozialen Klassen – die Praxis straft diese Behauptung Lügen.“ (Montes 2004)

Gegenbewegungen

Sexismus führt vermehrt zu sexueller Belästigung, Vergewaltigung und Catcalling. Gegen diese Übergriffe gibt es Bewegungen und Kampagnen, die Betroffene unterstützen und über diese Themen aufklären wollen. Ein Beispiel hierfür ist die metoo-Kampagne, die 2006 erstmalig von der Aktivistin Tarana Burke ins Leben gerufen wurde. 2017 wurde der Hashtag #metoo durch die sozialen Medien verbreitet und auch viele Prominente äußerten sich zu ihren Erfahrungen mit sexueller Belästigung, Nötigung und Vergewaltigung. Auch Feminismus ist eine Form der Bewegung gegen Sexismus. Feminist*innen kämpfen für eine Gleichberechtigung von Frauen und Mädchen.

 

Literatur

Becker, Julia C. (2014): Subtile Erscheinungsformen von Seximus. https://www.bpb.de/apuz/178674/subtile-erscheinungsformen-von-sexismus#footnode1-1.

Domscheit-Berg, Anke (2015): Ein bisschen gleich ist nicht genug. Warum wir von Geschlechtergerechtigkeit noch weit entfernt sind. Ein Weckruf. Berlin: Heyne.

Duden: Sex. https://www.duden.de/rechtschreibung/Sex.

Duden: Seximus. https://www.duden.de/rechtschreibung/Sexismus.

Tagesschau: https://www.tagesschau.de/thema/gender_pay_gap/index.html.

Thallmayer, Claudia/ Eckert, Karin (Hrsg.) (2014): Sexismen und Rassismen. Lateinamerikanerinnen zwischen Alter und Neuer Welt. Wien: Promedia.

Thiele, Anja (2013): Sexismus. In: Gender Glossar. https://gender-glossar.de/glossar/item/13-sexismus.

 

6. Mai 2020

Sexismus

Der Begriff Sexismus lässt sich vom Wort Sex ableiten, welches auch als Bezeichnung für das Geschlecht, den Sexus verwendet wird (vgl. Duden, Sex). Sexismus wird unterschiedlich […]