Eisbergmodell der Kultur

Das Eisbergmodell der Kultur wird in den Kulturwissenschaften genutzt, um das Verhältnis von unmittelbar wahrnehmbarer und verborgener Kultur sowie die damit zusammenhängenden Ursachen für interkulturelle Kommunikationskonflikte zu visualisieren. Die Eisberg-Metapher stammt von Hemingway, der sie in den 1930er Jahren verwendete, um seinen literarischen Stil zu veranschaulichen: Er war der Ansicht, ein Autor müsse nicht sämtliche Details über seine Hauptfigur preisgeben. Ausreichend wäre es, wenn lediglich die Spitze des Eisbergs, ca. ein Achtel, zu erkennen sei.

Freud

Diese Metapher wurde später auf Freuds Theorie des Bewusstseins übertragen, das die Basis für das Eisbergmodell der Kultur darstellt. Freud entwickelte die Theorie, dass menschliches Handeln nur zu einem kleinen Anteil bewusst bestimmt wird und entwarf vor diesem Hintergrund das Strukturmodell der Psyche. Hierbei entspricht das ‚Ich‘ (Realitätsprinzip) dem bewussten Bereich der Persönlichkeit, der darüber entscheidet, welche Teile der unbewussten Persönlichkeitsbereiche – ‚Es‘ (Lustprinzip) und ‚Über-Ich‘ (Moralitätsprinzip) – in der Wahrnehmungswelt realisiert werden. Verglichen mit einem Eisberg nimmt das bewusste ‚Ich‘ also lediglich den kleineren, sichtbaren Teil, die Spitze des Eisbergs über der Wasseroberfläche ein, während die unbewussten Bereiche ‚Es‘ und ‚Über-Ich‘ den größeren, unter der Wasseroberfläche verborgenen Anteil ausmachen.

Sichtbar und unsichtbar

In Anlehnung an Freuds Instanzenmodell hat Schein das Eisbergmodell bezogen auf Organisationskultur weiterentwickelt. Bezogen auf Kultur lässt es sich folgendermaßen beschreiben: Der kleinere Teil des Eisbergs, seine Spitze, steht für den sicht- und hörbaren, also schnell zu erkennenden Teil der Kultur (Sprache, Aussehen, Verhalten usw.). Der weitaus größere Teil der Kultur (Normen, Werte, Glaube, Ideale, Traditionen, Erfahrungen, Rollenbilder usw.) hingegen liegt „unter der Wasseroberfläche“ verborgen und ist somit nicht unmittelbar wahrnehmbar. Er beeinflusst den kleinen, wahrnehmbaren Teil jedoch wesentlich und ist somit aufgrund seiner „Unsichtbarkeit“ oft die Ursache für interkulturelle Kommunikationskonflikte. Wissen um die verborgenen kulturellen Aspekte und ein sensibler Umgang mit ihnen kann die Gefahr solcher Missverständnisse eindämmen.

 

 

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Literatur

Schein, Edgar (2006): Organisationskultur. The Ed Schein Cooperate culture survival guide. Bergisch Gladbach: EHP.

Motsching, Renate/ Nykl, Ladislav (2009): Konstruktive Kommunikation. Sich und andere verstehen durch personenzentrierte Interaktion. Konzepte der Humanwissenschaften. Stuttgart: Klett-Cotta.